Was ist eine Mindestreserve?

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Das Mindestreserve-System ist ein Bankensystem, das es Geschäftsbanken ermöglicht, die Einlagen ihrer Kunden zum Teil zu verleihen und damit zu profitieren, während gleichzeitig nur ein kleiner Teil dieser Einlagen als echtes Bargeld gespeichert bleibt und für Auszahlungen zur Verfügung steht. Praktisch gesehen schafft dieses Bankensystem aus dem Nichts Geld, indem es einen Teil der Bankeinlagen seiner Kunden verwendet. 

Mit anderen Worten, diese Banken sind verpflichtet, einen Mindestprozentsatz (einen Bruchteil) des Geldes zu halten, das auf ihren Finanzkonten eingezahlt wird, so dass sie den Rest des Geldes ausleihen können. Wenn eine Bank ein Darlehen gewährt, zählen sowohl die Bank als auch die Person, die das Geld leiht, die Gelder als Vermögenswerte, sodass sich der ursprüngliche Betrag in ökonomischer Hinsicht verdoppelt. Dieses Geld wird dann mehrfach wiederverwendet, reinvestiert und wieder ausgeliehen, was wiederum zum Multiplikatoreffekt führt. Auf diese Weise schafft das Mindestreserve-System "neues Geld".

Kredite und Schulden sind integraler Bestandteil des Mindestreserve-Systems und erfordern oft, dass eine Zentralbank neue Gelder in Umlauf bringt, so dass Geschäftsbanken in der Lage sind, Auszahlungen vorzunehmen. Die meisten Zentralbanken fungieren auch als Regulierungsbehörden, die unter anderem die Mindestreservepflicht festlegen. Ein solches Bankensystem ist das, was die Finanzinstitute der meisten Länder nutzen. Es ist in den Vereinigten Staaten und in zahlreichen anderen Freihandelsländern weit verbreitet.


Die Schaffung von Mindestreserve-Systemen

Das Mindestreserve-System wurde um 1668 geschaffen, als die schwedische (Sveriges) Riksbank als erste Zentralbank der Welt gegründet wurde - aber andere primitive Formen des Mindestreserve-Systems waren bereits in Gebrauch. Die Idee, dass Geldeinlagen wachsen und expandieren und die Wirtschaft durch Kredite stimulieren könnten, wurde schnell populär. Es war sinnvoll, die verfügbaren Ressourcen zu nutzen, um die Ausgaben zu fördern, anstatt sie in einem Tresor zu horten.

Nachdem Schweden Schritte unternommen hatte, um die Praxis offizieller zu machen, setzte sich die Mindestreserve-Struktur durch und verbreitete sich schnell. Zwei Zentralbanken wurden in den USA gegründet, zuerst 1791 und dann 1816, aber keine davon hielt an. 1913 gründete der Federal Reserve Act die U.S. Federal Reserve Bank, die heute die US-Zentralbank ist. Die genannten Ziele dieses Finanzinstituts sind die Stabilisierung, Maximierung und Überwachung der Wirtschaft in Bezug auf Preis, Beschäftigung und Zinsen.


Wie funktioniert das?

Wenn ein Kunde Geld auf sein Bankkonto einzahlt, ist dieses Geld nicht mehr Eigentum des Einlegers, zumindest nicht direkt. Die Bank besitzt es nun, und im Gegenzug geben sie ihrem Kunden ein Depot, auf dem er zugreifen kann. Das bedeutet, dass ihre Bankkunden bei Bedarf Zugang zu ihrem vollen Einzahlungsbetrag nach festgelegten Bankregeln und -verfahren haben sollten.

Wenn die Bank jedoch das eingezahlte Geld in Besitz nimmt, behält sie nicht den vollen Betrag. Stattdessen wird ein kleiner Prozentsatz der Einlage reserviert (eine Mindestreserve). Dieser Reservebetrag liegt typischerweise zwischen 3% und 10% und der Rest des Geldes wird zur Vergabe von Darlehen an andere Kunden verwendet.

Betrachte, wie diese Kredite mit diesem vereinfachten Beispiel neues Geld schaffen:

  1. Kunde A zahlt $50.000 in Bank 1 ein. Bank 1 leiht Kunde B $45.000
  2. Kunde B zahlt $45.000 in Bank 2 ein. Bank 2 leiht Kunde C $40.500
  3. Kunde C zahlt $40.500 in Bank 3 ein. Bank 3 leiht Kunde D $36.450
  4. Kunden D zahlt $36.450 in Bank 4 ein. Bank 4 leiht Kunde E $32.805
  5. Kunde E zahlt $32.805 in Bank 5 ein. Bank 5 leiht Kunde F $29.525

Mit einer Mindestreserveanforderung von 10% ist diese ursprüngliche Einlage von $50.000 auf $234.280 gestiegen, was der Summe aller Kundeneinlagen entspricht. Dies ist zwar ein sehr vereinfachtes Beispiel dafür, wie das Mindestreserve-System über den Multiplikatoreffekt Geld generiert, demonstriert aber die Grundidee. 

Beachte, dass der Prozess auf dem Prinzip der Verschuldung basiert. Einlagenkonten stellen Geld dar, das die Banken ihren Kunden schulden (Haftung), und verzinsliche Kredite bringen den Banken das meiste Geld ein, und sie sind das Vermögen einer Bank. Einfach ausgedrückt, verdienen Banken Geld, indem sie mehr Aktivposten für ausgegebene Kredite als Verbindlichkeiten für Einzahlungen generieren.


Was ist mit Bankläufen?

Was wäre, wenn jeder, der Einlagen bei einer bestimmten Bank hält, beschließt sein ganzes Geld abzuheben? Dies wird als Banklauf bezeichnet, und da die Bank nur einen kleinen Teil der Einlagen ihrer Kunden halten muss, würde dies wahrscheinlich dazu führen, dass die Bank aufgrund einer Unfähigkeit, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, scheitert die Gelder auszuzahlen. 

Damit das Mindestreserve-System funktioniert, ist es zwingend erforderlich, dass die Einlagen nicht alle gleichzeitig abgehoben werden. Obwohl es in der Vergangenheit bereits zu Bankläufen gekommen ist, ist es nicht das typische Verhalten der Kunden. Normalerweise versuchen die Kunden nur dann, ihr ganzes Geld abzuheben, wenn sie glauben, dass die Bank in ernsten Schwierigkeiten steckt.

In den USA ist die Weltwirtschaftskrise ein berüchtigtes Beispiel dafür, welche Verwüstung ein massiver Banklauf verursachen kann. Heute sind die von den Banken gehaltenen Reserven eine ihrer Methoden, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, dass sich dies wiederholt. Einige Banken halten mehr als das vorgeschriebene Minimum als Reserve, um die Anforderungen ihrer Kunden besser zu erfüllen und Zugang zu ihren Einlagen zu gewährleisten.


Vor- und Nachteile des Mindestreserve-Systems

Während die Banken die meisten Vorteile dieses hochprofitablen Systems genießen, sickert ein kleines Stück davon zu den Bankkunden hinunter, wenn sie Zinsen auf ihren Einlagenkonten verdienen. Staatliche Stellen sind ebenfalls Teil des Systems und verteidigen oft, dass Mindestreserve-Systeme die Ausgaben fördern und wirtschaftliche Stabilität und Wachstum gewährleisten.

Auf der anderen Seite glauben viele Ökonomen, dass das Mindestreserve-System nicht nachhaltig und ziemlich riskant ist - vor allem, wenn man bedenkt, dass das gegenwärtige Geldsystem, das von den meisten Ländern praktiziert wird, tatsächlich auf Kredit/Schulden und nicht auf echtem Geld basiert. Das Wirtschaftssystem, das wir haben, beruht auf der Annahme, dass die Menschen sowohl den Banken als auch der Fiat-Währung vertrauen, die von den Regierungen als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde.


Mindestreserve-System und Kryptowährungen

Im Gegensatz zum traditionellen Fiat-Währungssystem wurde Bitcoin als dezentrale digitale Währung geschaffen, die einen alternativen wirtschaftlichen Rahmen schafft, der auf eine ganz andere Weise funktioniert.

Wie die meisten Kryptowährungen wird Bitcoin von einem verteilten Netzwerk von Knoten verwaltet. Alle Daten sind durch kryptografische Beweise geschützt und werden in einem öffentlich zugänglichen Ledger namens Blockchain gespeichert. Das bedeutet, dass es weder einer Zentralbank noch einer anderweitigen verantwortlichen Behörde braucht. 

Außerdem ist die Ausgabe von Bitcoin begrenzt, so dass nach Erreichen des maximalen Angebots von 21 Millionen Einheiten keine weiteren Coins mehr generiert werden. Daher ist der Kontext völlig anders und es gibt keine Mindestreserve in der Welt von Bitcoin und Kryptowährungen.

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